Geschichte der Rechte des Kindes

Kinder haben Rechte, kein Mensch ist der Besitz eines anderen. Was für uns heute selbstverständlich ist, war es lange nicht. Kinder hatten besonders darunter zu leiden.

Der Status des Kindes bis ins 19. Jahrhundert

Bis in die Neuzeit wurde das Kind als Besitz seiner Eltern bzw. seines Vaters angesehen. Erst während der Industrialisierung begann die bürgerliche Gesellschaft zwischen der Welt der Kinder und derjenigen der Erwachsenen zu unterscheiden. Die erhöhte Aufmerksamkeit, die den Menschenrechten seit den Revolutionen in Amerika (1776) und Frankreich (1789) zuteil wurde, führte auch zu vertiefter Auseinandersetzung mit der Situation der Kinder. 

Die Genfer Erklärung von 1924

Alarmiert durch die katastrophale Situation der Flüchtlingskinder nach dem Ersten Weltkrieg entwarf Eglantyne Jebb, Gründerin von Save the Children, die «Children's Charter». Diese liess sie dem Völkerbund mit den Worten zukommen: «Ich bin davon überzeugt, dass wir auf bestimmte Rechte der Kinder Anspruch erheben und für die allumfassende Anerkennung dieser Rechte arbeiten sollten.» Die Charta wurde am 24. September 1924 von der Generalversammlung des Völkerbundes verabschiedet und als Genfer Erklärung bekannt.

Die Erklärung der Rechte des Kindes von 1959

Nach mehrjährigen Vorarbeiten verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten Nationen am 20. November 1959 die Erklärung der Rechte des Kindes. Sie enthielt gewisse konkrete Rechte, war jedoch kaum verbindlicher als die Genfer Erklärung von 1924.

Die UNO-Pakte von 1966

Die Internationalen Pakte über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte und über bürgerliche und politische Rechte von 1966 waren die ersten umfassenden Menschenrechtsverträge auf universaler Ebene. Sie konkretisierten die rechtlich nicht bindende «Allgemeine Erklärung der Menschenrechte» von 1948. Sie enthalten auch einzelne Bestimmungen, die spezifisch das Kind betreffen. 

Das Internationale Jahr des Kindes 1979

Aus der Absicht, den Bedürfnissen der Kinder weltweit mehr Beachtung zu geben, rief die UNO-Generalversammlung 1979 zum Jahr des Kindes aus. 1978 reichte Polen anlässlich der UNO-Menschenrechtskommission den ersten Entwurf einer Kinderrechtskonvention ein. 

Die Kinderrechtskonvention von 1989

Am 20. November 1989 wurde die UN-Konvention über die Rechte des Kindes von der Generalversammlung der Vereinten Nationen angenommen. Sie trat am 2. September 1990, einen Monat nach der zwanzigsten Ratifikation, in Kraft. Inzwischen haben 196 Vertragsstaaten die Konvention ratifiziert.

Die beiden Fakultativprotokolle von 2000

Am 25. Mai 2000 hat die UN-Generalversammlung die Bestimmungen der Konvention durch zwei Fakultativprotokolle präzisiert.

Das Fakultativprotokoll über die Rechte des Kindes betreffend der Beteiligung von Kindern an bewaffneten Konflikten schützt Kinder vor Militärdienst.

Das Fakultativprotokoll über die Rechte des Kindes betreffend den Kinderhandel, die Kinderprostitution und die Kinderpornographie verbietet diese ausdrücklich.

Das dritte Fakultativprotokoll von 2011

Das dritte Fakultativprotokoll wurde am 19. Dezember 2011 von der UN-Generalversammlung verabschiedet. Das Protokoll ergänzt die UN-Kinderrechtskonvention und die beiden Fakultativprotokolle um ein Mitteilungsverfahren. Es erlaubt Kindern und ihren Vertreterinnen und Vertretern, sich bei der Verletzung einzelner Rechte direkt beim UN-Kinderrechtsausschuss zu beschweren.

Die Schweiz und die Kinderrechtskonvention

Die Kinderrechtskonvention wurde am 24. Februar 1997 durch die Schweiz mit fünf Vorbehalten ratifiziert und trat am 26. März 1997 in Kraft. Einzelne dieser Vorbehalte wurden inzwischen zurückgezogen. Die Schweiz hat das 1. Fakultativprotokoll im Jahr 2000 ratifiziert, das zweite Fakultativprotokoll im Jahr 2006 und das dritte Fakultativprotokoll im Jahr 2017.