19.06.2017

UNICEF: Die Rechte von Kindern auf der Flucht schützen

In einem im Mai 2017 publizierten Bericht zur Situation von Kindern auf der Flucht weltweit ruft UNICEF die Staatengemeinschaft auf, diese Kinder besser zu schützen.

Der Bericht mit dem Titel A child is a child: Protecting children on the move from violence, abuse and exploitation untersucht die Situation der weltweit Millionen von Kindern auf der Flucht. Der Bericht zeigt, dass das Fehlen legaler Fluchtwege Kinder auf gefährliche Fluchtrouten treibt und sie der Gefahr von Menschenschmuggel und -handel aussetzt. UNICEF formuliert einen Sechs-Punkte-Plan zum Schutz von Kindern auf der Flucht.

Drastische Zunahme der Anzahl Kinder auf der Flucht

Der gut dokumentierte Bericht zeigt, dass die Zahl der Kinder auf der Flucht stark zugenommen hat und dass Kinder zunehmend ohne Begleitung ihrer Familien unterwegs sind: In den Jahren 2015-2016 haben weltweit über 300‘000 unbegleitete Kinder zwischenstaatliche Grenzen überschritten, während es in den Jahren 2010-2011 noch 66‘000 Kinder waren. Auf der gefährlichen Mittelmeerroute zwischen Nordafrika und Europa waren 92% der Kinder, die im Jahr 2016 Italien erreichten, ohne Begleitung von Erwachsenen. Im Jahr 2015 waren es noch 75% der Kinder.

Fehlen legaler Migrationswege für Kinder besonders gefährlich

UNICEF kritisiert, dass viele Kinder keine Möglichkeit haben, legal zu migrieren und deshalb auf gefährliche Fluchtwege ausweichen und in die Hände von Schmugglern getrieben werden. Ohne Schutz und Fürsorge und oftmals auch ohne Begleitung von Erwachsenen sind Kinder in Gefahr, Opfer von Ausbeutung und Missbrauch zu werden. Der Bericht zitiert eine Schätzung von Europol, wonach 20% der Schmuggler Verbindungen zum organisierten Menschenhandel aufweisen. Aufhorchen lassen auch die Resultate einer Umfrage der Internationalen Organisation für Migration aus dem Jahr 2014: Demnach berichten 75% der Kinder zwischen 14 und 17 Jahren, die über die Mittelmeerroute nach Italien kamen, von Erfahrungen, die auf Kinderhandel schliessen lassen.

Grenzschliessungen treffen Kinder in besonderem Masse

Der Bericht hält fest, dass Gesetze und staatliche Massnahmen in vielen Ländern Kinder auf der Flucht unzureichend schützen und der Zugang zu Leistungen lückenhaft ist. In vielen Ankunftsländern finden sich Kinder mit Fluchthintergrund in Bedingungen wieder, die für lokale Kinder als unzumutbar gelten würden. Die Situation verschärft sich durch die Schliessung von Grenzen, da Familien und Kinder dadurch in Transitsituationen ausharren müssen. Für Kinder ist dies besonders belastend und kann in Angstzuständen, Depressionen und Selbstverletzung münden, wie dies bei in Griechenland gestrandeten Kindern festgestellt wurde.

Sechs-Punkte-Plan

Die UN-Konvention über die Rechte des Kindes schützt die Rechte aller Kinder – unabhängig von ihrem Migrationsstatus oder ihrer Nationalität. Kinder haben ein verbrieftes Recht auf Schutz vor Gewalt und Ausbeutung, auf Zugang zu Bildung und die bestmögliche Gesundheit. Sie haben auch das Recht, bei ihrer Familie aufzuwachsen.

Um die Rechte von Kindern auf der Flucht zu schützen fordert UNICEF in einem Sechs-Punkte-Plan:

  • Kinder auf der Flucht vor Ausbeutung und Gewalt zu schützen, insbesondere durch die Bereitstellung von legalen Fluchtwegen, um Kinderhandel und Ausbeutung entgegen zu wirken;
  • Auf die Inhaftierung von Kindern auf der Flucht zu verzichten und Kinder stattdessen in einer kindgerechten Umgebung unterzubringen;
  • Die Zusammenführung von Kindern mit ihren Familien ermöglichen, da unbegleitete Kinder besonders verletzlich sind;
  • Den Zugang zu Bildung für Kinder auf der Flucht sicherzustellen;
  • Die Bemühungen zu verstärken, die Ursachen der Migration anzugehen und Kinder vor Konflikten und Armut zu schützen, den Zugang zu Bildung zu verbessern, Gesundheits- und Kindesschutzsysteme und soziale Sicherheit zu stärken;Ausgrenzung und Diskriminierung in den Aufnahmeländern zu bekämpfen.

Bericht von UNICEF, A child is a child: Protecting children on the move from violence, abuse and exploitation (2017) (auf Englisch)

 

Links zur Situation in der Schweiz


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