18.08.2017

Kinderärzte sprechen sich gegen umstrittene Altersbestimmungen junger Asylsuchender aus

Die Schweizerische Gesellschaft für Pädiatrie (spg) spricht sich in einer Stellungnahme gegen die Durchführung von Altersbestimmungen junger Asylsuchender aus.

Die Fachgesellschaft der Kinderärzte weist darauf hin, dass es heutzutage keine wissenschaftliche Methode gibt, um das Alter eines oder einer 15- bis 20-jährigen genau zu bestimmen. Die hierfür verwendeten Methoden wie Analysen des Knochenalters, körperliche Untersuchungen oder Beurteilungen der Zahnentwicklung seien nicht genau genug, um sichere Schlüsse über das Alter einer jungen Person ziehen zu können.

Für die jungen Asylsuchenden hat die Altersbestimmung weitereichende legale und soziale Konsequenzen: So haben minderjährige Asylsuchende ein Anrecht auf eine angemessene Unterbringung und Erziehung, auf Rechtsschutz durch einen Vormund und Zugang zu Bildung. Diese Rechte sind wesentlich für die Entwicklung und Integration der Jugendlichen.

In Anbetracht der Konsequenzen für die jungen Asylsuchenden ist die Altersbestimmung mittels dieser unzuverlässigen Methoden gemäss der Fachgesellschaft in ethischer Hinsicht fragwürdig. Dies umso mehr, als es sich um eine medizinisch nicht notwendige Untersuchung handelt.

Vor diesem Hintergrund empfiehlt die Schweizerische Gesellschaft für Pädiatrie ihren Mitgliedern und jedem anderen diesbezüglich angefragten Arzt, sich nicht an der Altersbestimmung junger Asylbewerber zu beteiligen.

In einem Schreiben an Bund und Kantone stellen sich die Schweizerische Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie (SGKJPP) und die Schweizerische Gesellschaft für Kinderchirurgie (SGKC) stellen sich hinter diese Position.


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