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31.07.2018

Kindesanhörung bei Adoption in Regenbogenfamilien

Mit dem neuen Adoptionsrecht ist die Stiefkindadoption auch für gleichgeschlechtliche Paare möglich. Nun liegen Empfehlungen zur Anhörung der Kinder in solchen Adoptionsverfahren vor.

Artikel 12 der UN-Kinderrechtskonvention garantiert das Recht des Kindes auf Anhörung in Gerichts- oder Verwaltungsverfahren, die es mitbetreffen. Im neuen Adoptionsrecht, seit dem 1. Januar 2018 in Kraft, ist dieser Grundsatz nun ausdrücklich verankert.

Vier renommierte Expertinnen und Experten im Bereich des Familienrechts und der Kinderrechte haben nun Empfehlungen zur Ausgestaltung der Kindesanhörung in Adoptionsverfahren verfasst: Prof. Andrea Büchler (Universität Zürich), Prof. Michelle Cottier (Universität Genf), Prof. Philip D. Jaffé (Universität Genf) und Dr. Heidi Simoni (Marie Meierhofer Institut für das Kind).

Die Empfehlungen sind insbesondere für die Anhörung von Kindern bei Stiefkindadoptionen in gleichgeschlechtlichen «Patchworkfamilien» relevant. In solchen Fällen stammt das Kind aus einer früheren Beziehung, lebt nun aber mit der Mutter und der neuen Partnerin oder dem Vater und dem neuen Partner zusammen. Bei einer Stiefkindadoption durch die neue Partnerin oder den neuen Partner verliert das Kind rechtlich das Verhältnis zum getrenntlebenden Elternteil.

Grundlage der Empfehlungen sind bisherige Praxiserfahrungen mit der Anhörung von Kindern in familienrechtlichen Verfahren wie beispielsweise Scheidungs- oder Kindesschutzverfahren sowie Erkenntnissen zum Kindeswohl in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften.