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09.10.2018

UN-Kinderrechtsausschuss: Kinder als Menschenrechtsverteidiger/-innen stärken und schützen

Am 28. September 2018 fand in Genf der «Day of General Discussion» des UN-Kinderrechtsausschusses zur Rolle von Kindern als Menschenrechtsverteidigerinnen und –Verteidiger statt. Die Erfahrungen und Ansichten von Kindern und Jugendlichen selbst standen dabei im Zentrum der Debatte.

Der «Day of General Discussion» des UN-Kinderrechtsausschusses findet alle zwei Jahre statt und hat zum Ziel, einzelne Artikel der Konvention zu vertiefen. Dieses Jahr war der Diskussionstag dem Thema «Children Human Rights Defenders» gewidmet. Kinder und Jugendliche aus allen Weltregionen diskutierten an zahlreichen Podien mit Vertreter/-innen von Staaten, internationalen Organisationen und Nichtregierungsorganisationen über die Frage, wie Kinder als Menschenrechtsverteidiger/-innen gestärkt und besser geschützt werden können.

Schutz von Menschenrechtsverteidiger/innen

Die UN-Generalversammlung verabschiedete 1999 eine Deklaration zum Schutz von Menschenrechtsverteidiger/-innen. Die Deklaration bezieht sich auf alle Personen, die sich für Menschenrechte einsetzen. Sie verpflichtet Staaten, Menschenrechtsverteidiger/-innen vor staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren zu schützen.

Auch Kinder setzen sich weltweit für Menschenrechte ein und sind daher Menschenrechtsverteidiger/-innen. Kinder wirken beispielsweise in Kinder- und Jugendparlamenten mit, nehmen an Demonstrationen teil, engagieren sich mittels moderner Kommunikationstechnologien für ihre Rechte oder tragen zur Berichterstattung zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention bei.

Menschenrechtsverteidiger/-innen laufen oftmals selbst Gefahr, Opfer von Menschenrechtsverletzungen zu werden. Dies gilt auch für Kinder: Sie sind zahlreichen Risiken ausgesetzt:  Drohungen, Diffamierungen, Einschüchterungsversuche und Gewalt. Der UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechtsverteidiger/-innen, Michal Frost, nennt Fälle von willkürlichen Inhaftierungen, Strafverfolgung, Folter und Misshandlung von Kindern als Konsequenz ihres Menschenrechtsengagements.

Erfahrungen von Kindern im Fokus

Im Vordergrund des Diskussionstages standen Erfahrungsberichte von Kindern und Jugendlichen, die sich für den Schutz und die Förderung der Menschenrechen engagieren, Hürden und Risiken denen sie in ihrer Tätigkeit begegnen und notwendige Massnahmen, um sie in ihrem Engagement zu befähigen und zu schützen.

In ihrer Eröffnungsrede betonte die stellvertretende UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Kate Gilmore, wie wichtig es ist, Kinder in die Diskussion zum Schutz von Menschenrechtsverteidiger/-innen einzubeziehen und ihnen zuzuhören: «Millionen junger Menschen leben an den gefährlichsten Orten, zu den schwierigsten Zeiten und erleben das Schlimmste, was sich Menschen gegenseitig antun können. Ich sage nicht, dass Ausbildung und Arbeitserfahrung nicht wichtig sind. Aber ich frage, wieso wir Erwachsenen den Erfahrungen der Kinder nicht mehr Rechnung tragen».

In Vorbereitung des Diskussionstages des UN-Kinderrechtsauschusses führte Child Rights Connect in Zusammenarbeit mit Prof. Laura Lundy vom Center for Children’s Rights der Queen’s University Belfast und einem «Children’s Advisory Team» eine Befragung von über 2'900 Kindern aus 53 Ländern zwischen 5 und 18 Jahren durch. Die Ergebnisse zeigen, dass Kinder in erster Linie mit Herausforderungen in vier Bereichen konfrontiert sind: Kinder werden nicht ernst genommen, sie sind ungenügend über ihre Rechte informiert, es fehlt ihnen zeitlichen und finanziellen Mitteln oder sie erleben Gewalt oder Diskriminierung in Verbindung mit ihren Aktivitäten als Menschenrechtsverteidiger/-innen.